Historisches

Hippokrates von Kos (ca. 460–377 v.Chr.): Corpus Hippocraticum

10. November 2023
Historische Bücher

Papyrus Ebers, Lorscher Arzneibuch, New Kreuterbuch? Bekannt! Hippokrates von Kos, Dioskurides, Walahfrid Strabo? Natürlich auch!Was aber wissen Sie über diese Werke oder ihre Verfasser denn tatsächlich? Kurze und übersichtliche Zusammenfassungen lesen Sie hier. Immer freitags! Denn wir haben da mal was zusammengestellt …

Iris Eisenmann-Tappe

Lesezeit: 2 Minuten

Hippokrates von Kos, der „Vater der Heilkunde“, konnte auf eine lange Vorfahrenreihe zurückblicken, aus der traditionell Ärzte hervorgingen: Seine Familie, die Asklepiaden auf der griechischen Insel Kos, führten sich auf Asklepios, den Gott der Heilkunst, zurück. Zu seiner Zeit war es üblich, als angehender Arzt auf Wanderschaft zu gehen und Berufserfahrung zu sammeln. So führten ihn jahrelange Reisen durch Griechenland und Kleinasien. Als er nach Kos zurückkehrte und eine Schule für Mediziner (mit)begründete, war er eine anerkannte Berühmtheit. Seine Söhne führten die Familientradition als Ärzte fort.

Das Corpus Hippocraticum ist eine Sammlung von über 60 medizinischen Schriften, die zwischen dem 6. Jh. v. Chr. und dem 2. Jh. n. Chr. entstanden sind. Sechs Texte könnten von Hippokrates selbst stammen. Die Sammlung enthält auch den berühmten hippokratischen Eid, der im 1. Jahrhundert erstmals schriftlich fixiert wurde. Hippokrates hatte sich von der archaischen Auffassung gelöst, dass Gesundheit wie Krankheit des Menschen einzig von den Göttern bestimmt sei. Basierend auf sorgfältiger Beobachtung der Kranken entwickelte er die die ersten Ansätze zur Viersäftelehre (Humoralpathologie). Mit ihrer Hilfe konnte ein Arzt nun eigene Strategien der Heilung (und wichtig: auch der Prävention) erarbeiten, indem er nach einem Ungleichgewicht der Säfte (Dyskrasie) im Kranken suchte und sich um einen Ausgleich (Eukrasie) bemühte. Damit wurde Hippokrates zum Vater der Allopathie: „Entgegengesetztes wird durch Entgegengesetztes geheilt.“

Bis heute beeindruckt Hippokrates’ Forderung nach Besonnenheit und Empathie im Umgang mit den Kranken. Die Beachtung der Lebensumstände des Patienten und seiner Vorgeschichte ebenso wie seiner seelischen Verfassung waren für Hippokrates wichtige Diagnose-Bausteine und führten zu dem, was wir heute eine ganzheitliche Behandlung nennen würden: Hippokrates ist als Vorbild moderner denn je. Die ihm zugeschriebene Mahnung „eure Nahrungsmittel mögen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel eure Nahrungsmittel“ ist weithin bekannt, weshalb er hier einmal mit einer anderen bemerkenswerten Aussage zitiert werden soll: „Die Menschen werden krank, weil sie aus Torheit alles tun, um nicht gesund zu bleiben.“

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Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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