Pflanzenküche

Kornelkirsche – das unterschätzte Obst

1. September 2023
Kornelkirschen

Ab August reifen die dunkelroten Früchte der Kornelkirsche (Cornus mas) an Sträuchern, die Du häufig an Hängen, Böschungen oder in Parks findest. Die wenigsten Menschen wissen, dass man diese Steinfrucht auch essen und aus ihr schmackhafte Gerichte zaubern kann. Wie das geht, wirst Du gleich lesen!

Susanne Koch

Lesezeit: 3,5 Minuten

Die Kornelkirsche zählt zur Familie der Hartriegelgewächse und ist nicht mit der Süß- oder Sauerkirsche verwandt. Der Strauch bevorzugt warme, sonnige Standorte, kalkhaltigen Boden und kann dann 3-8 Meter hoch und bis zu 100 Jahre alt werden. Ursprünglich stammt die Kornelkirsche aus Westasien, hat sich jedoch im Laufe der Zeit über die Türkei, den Kaukasus und Südeuropa bis in den Süden Deutschlands ausgebreitet. Auch wenn es wild wachsende Bestände gibt, sind die meisten Sträucher heute von Menschen pflanzt.

Dabei ist der Strauch mit den glänzenden, elliptisch bis spitzen, etwa 10 cm langen Blättern ökologisch ein Gewinn: Sein dichtes Wurzelwerk schützt vor Bodenerosion und kann Hänge stabilisieren. Die meist früh erscheinenden gelben Blüten sind wertvolle Nahrung für Bienen, Blätter und Triebe für allerlei Pflanzenfresser wie Hasen oder Rehe. Und nicht zuletzt freuen sich viele Vögel an den tiefroten Steinfrüchten. 

Das Holz mit der grau-braunen, am alten Strauch abblätternden Rinde ist das schwerste, das in Europa vorkommt: es geht im Wasser unter. In Homers Ilias liest man, dass das Trojanische Pferd aus dem harten Holz der Kornelkirsche gefertigt worden sei, und auch die Speere der Truppen Alexander des Großen bestanden aus dem harten Holz der Kornelkirsche [1].

Traditionelles Heilmittel mit Potenzial für mehr

Schon vor mehr als 1000 Jahren wurden Zubereitungen aus den Blättern, Blüten und Früchten der Kornelkirsche zur Linderung unterschiedlicher Beschwerden eingesetzt. Das Spektrum war weit gefasst und erstreckte sich von Halsschmerzen bis hin zu allerlei entzündlichen Prozessen. Vor allem aber Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Magengeschwüre, Durchfall oder entzündliche Darmerkrankungen behandelte man mit Zubereitungen aus Blättern, getrockneten Früchten und sogar mit den gemahlenen Steinen der Früchte.  Hildegard von Bingen empfahl Kornelkirschen gegen Beschwerden des Magens oder Gicht. [1, 2]

Hinweis: Die oben genannten Anwendungen sind medizinisch nicht anerkannt und sind ausdrücklich nicht empfohlen. Sie gehören aber zur Kulturgeschichte und sollen daher erwähnt sein.

Die Kornelkirsche enthält Iridoide, in den Früchten sind zudem Vitamine enthalten, v. a. Vitamin C. Je nach Standort und Wachstumsbedingungen enthalten die Früchte zusätzlich unterschiedlich viele Mineralien wie Magnesium, Kalzium, Kalium, Zink und Eisen.

Phytochemische und klinische Untersuchungen zeigen, dass verschiedene Pflanzenteile der Kornelkirsche unter anderem zur Verbesserung der Blutzuckerwerte sowie des Cholesterinwertes führten. Darüber hinaus zeigten sich unter anderem antimikrobielle, antiatherosklerotische oder antiglaukomische Aktivitäten [2, 3].

Kornelkirsche: Herb-Süße Früchte zum Genuss

Die Früchte der Kornelkirsche sind, trotz der zum Teil sehr festsitzenden Steine, eine Bereicherung für die Küche. Im Iran verwendet man frische oder getrocknete Kornelkirschen für Lamm- oder Reisgerichte. Du kannst mit ein paar Kornelkirschen aber auch einer Hühnersuppe einen säuerlich-süßen Touch verschaffen.  Die reifen Früchte lassen sich zu Marmelade oder Gelee verarbeiten oder, entsteint und getrocknet, wie Rosinen für Kuchen verwenden.

Ich finde die Herstellung der sogenannten Korneliven besonders spannend: Früchte, die gerade anfangen zu reifen, wenn sie also noch grün, aber schon mit einer Ahnung von Rot sind, wie Oliven eingelegt. Das ist ein wenig Arbeit, dafür hast Du aber eine Leckerei, die es nirgends zu kaufen gibt.

Rezept Korneliven

Zutaten für das Einlegen der Kornelkirschen

  • 300 g Kornelkirschen mit Stein
  • 150 g Salz
  • 500 ml Wasser

Zubereitung

Salz und Wasser in einen Topf geben, kurz aufkochen, anschließend abkühlen lassen und über die Kornelkirschen gießen. Damit die unter Wasser bleiben, mit einem Teller beschweren. Abdecken und 1 Woche kühl stellen. Nach der Woche gießt Du das Wasser ab und spülst die Kornelkirschen mit klarem Wasser ab. Anschließend die Früchte auf Küchenkrepp ausbreiten und mit einem Tuch abdecken zum Schutz vor Fliegen. Die Früchte so einen Tag abtrocknen lassen.

Inzwischen bereitest Du das Gewürzöl vor, in dem die Kornelkirschen aufbewahrt werden.

Zutaten für das Gewürzöl

  • 150 ml Rapsöl oder Olivenöl (nach Vorliebe)
  • 1 Zweig Thymian oder Oregano
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 Salbeiblatt
  • 1 klein geschnittene, getrocknete Tomate
  • 1 ganze Knoblauchzehe
  • 1 ganze kleine Chilischote (falls Schärfe gewünscht)

Zubereitung

Die Kräuter im Öl erhitzen und 10 Minuten leicht köcheln lassen. Anschließend abkühlen lassen. Die Kornelkirschen in Gläser mit Deckel geben und mit dem Öl übergießen.

Kühl gelagert und mit einem sauberen Löffel entnommen, halten sich die Korneliven über mehrere Wochen. Du kannst sie wie die echten Oliven verwenden!

Literatur

[1] Kornelkirsche – Anbau, Verarbeitung und Heilwirkung. Im Internet: Kornelkirsche – Anbau, Verarbeitung und Heilwirkung – Heilpraxis (heilpraxisnet.de). Stand: 28.08.2023

[2] Dinda B, Kyriakopoulos AM, Dinda M, et al. Cornus mas L. (cornelian cherry), an important European and Asian traditional food and medicine: Ethnomedicine, phytochemistry and pharmacology for its commercial utilization in drug industry. Journal of Ethnopharmacology. 2016; 193 (4): 670-690

[3] Celep E, Aydin A, Kirmizibekmez H, Yesilada E. Appraisal of in vitro and in vivo antioxidant activity potential of cornelian cherry leaves. Food and Chemical Toxicology. 2013; 62: 448-455

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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