Pflanzenheilkunde

Sanddornfrüchte – Superfood und Phytomedizin

27. September 2022
Sanddorn

Im September reifen die orangefarbenen Früchte des Sanddorns. Wegen des Säuregehalts der Früchte wird der Strauch auch „Zitrone des Nordens“ genannt. Tatsächlich kommt er in Deutschland häufig in den Küstenregionen vor. Die Sanddornfrüchte spielen in der Heilkunde eine gewichtige Rolle, zum Beispiel als Sanddornöl.

Rudi Beiser

Lesezeit: 4 Minuten

Sanddornfrüchte: Superfood aus dem Norden

Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) hat schon lange einen guten Ruf als Vitaminbombe. Vor allem in der ehemaligen DDR (Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) wurde der dornige Strauch wegen seines Vitamin C-Gehalts und seiner zitronigen Säure angebaut. Südfrüchte waren damals wegen fehlender Devisen Mangelware. 1974 besang ihn sogar die Rockröhre Nina Hagen im Song „Du hast den Farbfilm vergessen“. Der Song begann mit den Worten „Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee“. Weltweit sind heute China und Russland die größten Produzenten.

Der Sanddorn ist bezüglich der Inhaltsstoffe eine Top-Wildfrucht. Seine sauren Früchte enthalten neben Vitamin C viel Beta-Carotin, Vitamin E und zudem das lebenswichtige Vitamin B12, welches in Pflanzen eher selten zu finden ist. Die Früchte enthalten beispielsweise im Durchschnitt 450–500 mg Vitamin C/ 100g, und damit fast zehnmal so viel wie eine Zitrone. Daraus könnte sich ein antioxidatives und antikarzinogenes Potenzial ergeben. Auch positive Wirkungen auf das Immunsystem, den Blutdruck und die Cholesterinwerte könnten erwartet werden.

Verwendung der Superfood Sanddornfrüchte

In der Regel wird aus den Sanddornfrüchten Saft hergestellt, mit dem sich dann beispielsweise Gelees und Fruchtaufstriche herstellen lassen. Auch Smoothies, Saftmischgetränke, Limonaden sowie Quark- und Joghurtspeisen kann man damit aufpeppen. Aufgrund der Säure ist es sinnvoll, den Sanddorn mit süßeren Früchten (z.B. Äpfel, Birnen) oder mit Süßmitteln (Zucker, Honig) zu kombinieren.    

Sanddornfrüchte in der Phytomedizin

Sanddorn ist jedoch nicht nur ein wertvolles Lebensmittel, sondern er ist aufgrund seiner sekundären Pflanzenstoffe (Flavonoide, Carotinoide, Fruchtfleischöl) ein bekanntes Heilmittel der Erfahrungs- und Volksmedizin. In den Arzneibüchern und Monografien sucht man den Sanddorn allerdings vergebens, auch wenn zahlreiche Studien vielversprechende Ergebnisse liefern.

Der Sanddornsaft wird vor allem zur Stärkung des Immunsystems und zur Prophylaxe von Erkältungserkrankungen eingesetzt. Eine Besonderheit ist jedoch das im Fruchtfleisch enthaltene fette Öl mit vielen ungesättigten Fettsäuren, das als Sanddornfruchtfleischöl vermarktet wird. Das wertvolle Öl wird dabei verdünnt eingesetzt (2-5%-ig), indem man es einem Basisöl oder einer Salbe zufügt. Das orangefarbene Sanddornfruchtfleischöl wirkt hautpflegend, wundheilungsfördernd und schmerzlindernd. Sehr hilfreich ist es bei Narbenpflege und Schwangerschaftsstreifen. Außerdem nutzt man es äußerlich zur Behandlung von Verbrennungen und Sonnenbrand, aber auch bei Neurodermitis und Psoriasis. Sehr gute Patientenerfahrungen gibt es mit dem hautregenerierenden Öl bezüglich der Nebenwirkungen bei Chemotherapie und Strahlentherapie. Bei Schädigung der Schleimhäute im Mund- und Rachenraum kann man das Öl mit etwas Honig mischen und teelöffelweise einnehmen. Das Öl wird bei erwarteter Belastung der Haut auch prophylaktisch eingesetzt. [1][2]

In der Volksmedizin Russlands, Sibiriens und der Mongolei wird die dort ebenfalls heimische Sanddornfrucht seit Jahrhunderten verwendet. Sehr viele Anwendungen des Fruchtfleischöles bei Strahlenschäden, adjuvant in der onkologischen Behandlung oder bei Gefäßerkrankungen stammen deshalb aus diesem Kulturkreis. Beim Sanddornfruchtfleischöl konnten wundheilungsfördernde, antioxidative und tumorprotektive Wirkungen belegt werden. Eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem ist ebenfalls nachgewiesen. [3]

Auch die Sanddornkerne (Samen) enthalten ein fettes Öl, welches sehr viel Omega-3-Fettsäuren enthält. Dieses farblose Sanddornkernöl wird meist in der Kosmetik eingesetzt. Es könnte die Zellerneuerung fördern und Alterungsprozesse der Haut verzögern. [4]

Sanddornöl
Das Sanddornöl wird in der Kosmetik zur Hautpflege eingesetzt werden. © Pixel-Shot/stock.adobe.com

Sanddornöl selbst herstellen

Mit diesem Verfahren kannst Du das wertvolle Öl, das sich im Fruchtfleisch und in den Samenkernen befindet, als Auszugsöl gewinnen. Du kannst dazu die frischen Pressrückstände von der Saftherstellung verwenden oder du besorgst Dir getrocknete Sanddornbeeren.

Zutaten:

  • 30 g Pressrückstände von frischen Sanddornfrüchten oder 20 g getrocknete Sanddornfrüchte
  • 100 ml Mandelöl (Speiseöl)

Zubereitung/Dosierung/Anwendung:

Die frischen Pressrückstände werden 2 Stunden bei ca. 40 ° C im Backofen angetrocknet. Dann wird das Ganze zusammen mit dem Mandelöl im Mixer kleingeschlagen. Die Mischung im Wasserbad bei 50° C 2 Stunden auf Temperatur halten. Durch ein sehr feines Sieb abpressen. Kühl gelagert hält das Öl 2–3 Monate.

Das Öl kann unverdünnt innerlich 2-mal tägl. 15–20 Tr. oder äußerlich eingesetzt werden. Auch bei der äußerlichen Anwendung wird das wertvolle Öl sehr sparsam dünn aufgetragen, da es Haut und Kleidung färben kann.  

Hinweis! Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Wechselwirkungen sind bislang keine bekannt.

Sanddorn im Garten
Männliche und weibliche Blüten kommen beim Sanddorn nicht am selben Strauch vor. Beim Anbau ist es daher wichtig, dass Sanddorn-Männchen (im Bild) in Windrichtung zu den Weibchen gepflanzt werden. Quelle: Rudi Beiser/Thieme

Tipps für den Sanddorn Anbau im Garten

Beim Sanddorn kommen männliche und weibliche Blüten nicht am selben Strauch vor. Es gibt sozusagen Sanddorn-Männchen und Sanddorn-Weibchen. Die Weibchen werden durch Windbestäubung befruchtet. Also findet man die gesunden Früchte nur, wenn in Windrichtung auch ein Männchen steht. Deshalb wird normalerweise auf 5–6 Weibchen ein Männchen gepflanzt, das nicht weiter als 10 m entfernt stehen sollte.

Aufgepasst! In kleinen Gärten sollte auch beachtet werden, dass Sanddorn ein ausuferndes Wurzelsystem entwickelt. Bei direkter Angrenzung an gepflasterte oder geteerte Flächen, kann es dort zu Schäden kommen, da die Austriebe die Beläge durchstoßen.

Eine weitere Besonderheit des Sanddorns ergibt sich bei der Ernte. Wegen der sehr unangenehmen Dornen ist die Ernte äußerst schwierig. Auch haften die dünnschaligen Früchte sehr fest an den Zweigen, so dass sie beim Ernten meist aufplatzen. Einfacher ist es fruchttragende Zweige abzuschneiden und in Gefrierfach oder Gefriertruhe zu legen. Die gefrorenen Beeren können dann einfach abgeschüttelt und weiterverarbeitet werden. [5]

Und zum Schluss …

Die Sanddornfrucht ist einerseits ein Superfood par excellence, mit vielen wertvollen Vitaminen. Außerdem enthält sie in Fruchtfleisch und Kernen heilsame Öle, die vor allem äußerlich eingesetzt werden, um die Haut zu schützen und Schädigungen zu regenerieren. Es gibt also genügend Gründe, sich näher mit dem Sanddorn zu beschäftigen.

Literatur

[1] Zielińska A, Nowak I. Abundance of active ingredients in sea-buckthorn oil. Lipids in Health and Disease. 2017; 16: 95. DOI: 10.1186/s12944-017-0469-7

[2] Kallio H, Yang B. Health effects of sea buckthorn berries; research and strategies at the university of Turku, Finland. Acta Horticulturae 2014; 1017: 343-349. DOI: 10.17660/ActaHortic.2014.1017.42

[3] Ciesarová Z, Murkovic M, Cejpek K et al. Why is sea buckthorn (Hippophae rhamnoides L.) so exceptional? A review. Food Res Int. 2020; 133: 109170. DOI: 10.1016/j.foodres.2020.109170

[4] Khan BA, Akhtar N, Mahmood T. A Comprehensive Review of a Magic Plant, Hippophae rhamnoides. Department of Pharmacy, Faculty of Pharmacy and Alternative Medicine, The Islamia University of Bahawalpur, Bahawalpur, Pakistan 2013. DOI: 10.1016/S0975-3575(10)80053-7

[5] Beiser R. Geheimnisse der Hecken. Ulmer; 2019

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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