Pflanzenheilkunde

Mit Heilpflanzenwissen Pflanzen vor dem Aussterben schützen

6. September 2022
Schafgarbe (Achillea millefolium)

Wissenschaftler*innen warnen nicht nur vor dem Aussterben von Pflanzen. Sie zeigen auch Wege auf, wie wir die Biodiversität auf diesem Planeten erhalten. Dabei könnte die Heilpflanzenkunde eine wichtige Rolle spielen. Wie Du mit Heilpflanzenwissen zum Schutz von Heilpflanzen beiträgst, zeige ich Dir im Beitrag.

Sebastian Vigl

Lesezeit: 3 Minuten

Wieso Pflanzen vom Aussterben bedroht sind

Der Mensch prägt die Welt nach seinen Interessen – und meist mit wenig Rücksicht auf andere Lebewesen. Das bekommt auch die Pflanzenwelt zu spüren.

Vor knapp 500 Millionen Jahre haben die Pflanzen vom Meer aus das Festland erobert. Dabei haben sie unwirtliche Gegenden besiedelt und schwierige Herausforderungen gemeistert. Eine der größten Herausforderungen sind sie erst vor Kurzem begegnet: dem Menschen. Anfangs waren die Menschen noch vergleichsweise harmlos: Die Menschen lebten jagend und sammelnd inmitten der Natur. Vor circa 10.000 Jahren begannen die Menschen mit der Landwirtschaft und beeinflussten damit das Gedeihen von Pflanzen nach ihren Vorstellungen. Die Menschen förderten Pflanzen, die Nahrung boten. Pflanzen, für die für die Menschheit keine Verwendung hatte, wurden vertrieben. Ein frühes Beispiel ist das Veilchen Viola cryana, das bereits im Jahre 1930 ausgestorben war. Es wuchs auf warmen Kalksteinhängen Frankreichs. Das Veilchen fiel wahrscheinlich dem Kalksteinabbau und der Sammelwut von botanisch Interessierten zum Opfer.

Der Menschen als „Herrschern der Biosphäre“

Der Einfluss der Menschen beschränkt sich nun nicht mehr nur auf die Äcker. Mittlerweile sind nur noch sehr wenige Ökosysteme nicht von Menschenhand geprägt. Im 20. Jahrhundert sind wir Menschen zu den „Herrschern der Biosphäre“ geworden. Dieser Begriff wurde durch den US-amerikanische Historiker John McNeill geprägt [1]. Was auf der Erde wächst und gedeiht, entscheiden wir. Entweder willentlich, indem wir uns nützliche Pflanzen wie zum Beispiel Reis oder Kartoffeln fördern. Oder unbeabsichtigt: Einzelne Pflanzen kommen mit dem Einfluss des Menschen gut zurecht und profitieren von uns. Dazu zählen die sogenannten invasiven Arten. Dazu werden konkurrenzstarke Pflanzen gezählt, die mit ihrer Ausbreitung Arten verdrängen oder Ökosysteme und damit die biologische Vielfalt beeinträchtigen können. Invasive Arten breiten sich in unserer Nachbarschaft aus, sie verbreiten sich vor allem an Ökosystem, die durch menschliches Handeln gestört wurden. Dazu zählen zum Beispiel artenarme Forste oder überdüngte Gewässer. In Deutschland sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Späte Traubenkirsche (Prunus serotina), deren Samen giftig sind oder die Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttallii) zu nennen.

Gewinner und Verlierer: eine aktuelle Studie zum Artensterben

Wie wird die Pflanzenwelt der Zukunft aussehen? Welche Arten überleben menschengemachte Veränderungen wie Klimawandel oder Umweltverschmutzung? Antworten auf diese Fragen sind für uns Menschen essenziell. Denn, wie auch immer die Pflanzenwelt in den nächsten Jahrzehnten aussehen mag, sie wird nach wie vor unsere Lebensgrundlage bilden. Zwei Wissenschaftler des bedeutenden US-amerikanisches Naturkundemuseum „National Museum of Natural History“ aus Washington (D.C.) versuchten eine Prognose. Hierfür berücksichtigten sie rund 80.000 Pflanzenarten. Möglichst viele verschiedene Pflanzen sollten vertreten sein: neben landwirtschaftlich genutzten Arten auch gefährdete Gewächse und invasive Pflanzen.

Das Ergebnis: Rund ein Viertel der untersuchten Pflanzen zählt zu den Verlierern. Da diese Pflanzen weder den Menschen nützlich sind, noch mit seiner Beeinflussung ihres Lebensraumes zurechtkommen. Ein weiteres Viertel zählt zu den möglichen Verlierern. Damit könnte die Hälfte der untersuchten Pflanzen bereits in naher Zukunft für die Biodiversität verloren sein [1].

Warum Heilpflanzen besonders geschützt werden

Bei dem Blick auf die oben erwähnte Studie fallen viele Heilpflanzen auf. Die Autoren der Studie heben besonders den Ginkgo (Ginkgo biloba) hervor. Er wird aufgrund seiner medizinischen Verwendung angebaut. Auch andere Pflanzen scheinen durch ihre Kultivierung für medizinische Zwecke gut geschützt zu sein. Von den in Deutschland heimischen Arten zählen dazu unter anderem:

  • der Kalmus (Acorus calamus),
  • die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum),
  • der Kriechende Günsel (Ajuga reptans),
  • die Schafgarbe (Achillea millefolium) oder
  • die Arznei-Engelwurz (Angelica archangelica).

Für die Heilkunde werden diese Pflanzen entweder angebaut oder im Idealfall nachhaltig gesammelt. Wie kannst Du dabei die Pflanzen mit Heilpflanzenwissen schützen?

Rosskastanie mit von Miniermotten befallenen Blättern
Auch wenn Schädlinge wie die Miniermotte ihr zu schaffen machen: Die Rosskastanie hat gute Zukunftschancen.
© Tunatura/stock.adobe.com

Zum Schluss

Mit kleinen Schritten können wir in vielen Bereichen den Unterschied machen. Interessanterweise zählt dazu auch die Heilpflanzenkunde. Denn für die Menschheit nützliche Pflanzen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, geschützt zu werden. Dafür ist ein breites Heilpflanzenwissen wichtig. Wenn wir auch die weniger bekannten Arzneipflanzen kennenlernen und nutzen, fördern wir deren Anbau oder deren nachhaltige Wildsammlung.

Wie kannst Du zu einem möglichst breitem Heilpflanzenwissen beitragen? Da Du Dich für diesen Beitrag interessierst, bist Du wahrscheinlich schon auf einem guten Weg. Vielleicht wäre auch der Besuch einer Heilpflanzen-Schule etwas für Dich? Oder der Besuch einer Heilpflanzenführung am kommenden Wochenende? Vielleicht willst Du auch andere mit Heilpflanzenwissen inspirieren, Heilpflanzenbücher sind zum Beispiel meist eine großartige Geschenkidee.

Meine Erfahrung zeigt: Wer sich für Heilpflanzen interessiert, dem liegen die grünen Geschöpfe bald meist am Herzen. Und was uns einem Herzen liegt, das wollen wir schützen. Ich habe schon öfters erlebt, wie sich Fans von Heilpflanzen plötzlich für die Pflege von Biotopen und den nachhaltigen Anbau stark machen.

Literatur

[1] Kress WJ, Krupnick GA. Lords of the biosphere: Plant winners and losers in the Anthropocene. Plants, People, Planet 2022; 1– 17. DOI: 10.1002/ppp3.10252

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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