Pflanzenheilkunde

Mit der Knoblauch-Zitronen-Schlempe Infekten vorbeugen

25. Oktober 2022
Knoblauchzehen

Mythen zufolge kann man sich mit Knoblauch (Allium sativum) Vampire vom Leib halten. Tatsächlich bietet die würzige Knolle einen gewissen Schutz – im Winter auch vor lästigen Krankheitserregern, der Grund dafür sind ihre schwefelhaltigen Verbindungen. Zusammen mit Zitronen und Ingwer wird der Knoblauch zum Immunbooster.

Sebastian Vigl

Lesezeit: 4 Minuten

Wie das Rezept der Knoblauch-Zitronen-Schlempe zu Herrn Krämer kam

Mein Lehrer, der Heilpraktiker Klaus Krämer (1940 – 2016) betrieb 40 Jahre lang eine Praxis in Berlin Tegel. Wer ihn dort besuchte, verließ die Praxis mit einem Kräuterrezept für die Apotheke und meist noch mit ein paar weiteren naturheilkundlichen Ratschlägen. Und nicht selten bereicherten ihn seine Patientinnen und Patienten mit lebendigem Heilpflanzenwissen. So zum Beispiel eine ältere Patientin, die sich mit ihrem Rezept für eine „Knoblauch-Zitronen-Schlempe“ fit hielt. Diese Mischung hat Herr Krämer dann oft empfohlen – besonders während der Erkältungszeit.

Das Rezept hat sich in den letzten Jahren oft gewandelt. In diesem Beitrag findest Du eine Version, die meine Frau Anne Wanitschek und ich empfehlen.

Zitronen
In der Schlempe findet sich nicht nur das Vitamin-C-reiche Fruchtfleisch der Zitrone, sondern auch ihre heilkräftige Schale. Quelle: Sebastian Vigl, Berlin

Die Inhaltsstoffe der Knoblauch-Zitronen-Schlempe

Der Knoblauch wird mindestens seit der Antike bei Erkältungskrankheiten eingesetzt. Das HMPC hat den Knoblauch als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Er kann – basierend auf langjähriger Erfahrung – auch zur Linderung von Erkältungssymptomen eingesetzt werden. Den Einsatz bei Infektionen und Katarrhen der oberen Atemwege begrüßt auch die ESCOP in ihrer Monografie.

Knoblauch hat aufgrund seiner schwefelhaltigen Bestandteile eine breite Wirkung gegenüber Viren. Er kann das Andocken der Viren an unsere Schleimhaut sowie durch Blockierung viraler Enzyme ihr Eindringen in Körperzellen erschweren. Schafft es dennoch ein Virus in eine Körperzelle, hemmt Knoblauch seine Vermehrung und reduziert die Freisetzung von Viren aus infizierten Zellen. In Untersuchungen zeigte sich, dass besonders der frische Knoblauch diese antiviralen Wirkungen aufweist. [1]

Ebenfalls im Rezept enthalten ist die Zitrone – samt Saft und Schale. Die Schale hat aufgrund ihres ätherischen Öls und ihrer Flavonoide eine antivirale Wirkung. [2] Der Saft der Zitrone ist nicht nur aufgrund seines Vitamin-C-Gehalts interessant. Wie neuere Untersuchungen zeigen, kann die Zitronensäure im Mundraum die dort befindliche Abwehr stimulieren. [3]

Der Ingwer hat sich ebenfalls bei Erkältungen bewährt. Sein ätherisches Öl wirkt antiviral, an seiner entzündungshemmenden Wirkung sind verschiedene Wirkstoffe beteiligt. Sie hemmen unter anderem die Produktion des Interleukins IL-1Beta. Dieser Botenstoff ist zum Beispiel an der Entstehung von Fieber beteiligt. [4]

Knoblauch-Zitronen-Schlempe

Die Anwendung des Knoblauchs bei Erkältungen findet sich in offiziellen Monografien wieder. Anders verhält es sich bei Zitrone und Ingwer: Ihr Einsatz in der Erkältungszeit kann aufgrund der positiven Erkenntnisse aus der Erfahrungsheilkunde erfolgen.

Zutaten

  • 200 g frische Knoblauchzehen
  • 15 Biozitronen samt Schale (unbehandelt!)
  • 200 g frischer Ingwer

Zubereitung/Dosierung

Der Ingwer muss im Gegensatz zum Knoblauch nicht geschält werden. Die Zitronen sollten vor dem Schneiden kurz mit heißem Wasser abgewaschen werden.

Alle festen Bestandteile mit dem Messer klein schneiden und in einen großen Topf geben. Drei Liter Wasser hinzugeben, alles pürieren. Anschließend auf dem Herd kurz aufkochen lassen. Die Herdplatte ausschalten und alles Topf bei geschlossenem Deckel 20 Minuten ziehen lassen. Anschließend den Inhalt des Topfes durch ein Tuch oder Sieb passieren und noch heiß in Flaschen füllen. Nach dem Abkühlen werden diese im Kühlschrank aufbewahrt Die Schlempe ist dort 4 Monate lang haltbar.

In den Wintermonaten trinkst Du täglich 2 Schnapsgläser von der Schlempe, bei akuten Infekten 3-4.

Tipp: Wenn Du auf das Passieren verzichtest (möglich!), erhältst Du eine sämige Flüssigkeit, die Du vor Gebrauch schütteln musst.

Bitte beachten vor der Anwendung beachten!

Die Schlempe ist bei ernsten Infektionen der Atemwege kein Ersatz für eine schulmedizinische Behandlung! Bitte begib Dich in eine ärztliche Praxis, wenn Erkältungssymptome länger als 5 Tage andauern oder hohes Fieber, Atemnot, blutiger Auswurf oder starke Schmerzen auftreten.

Vorsicht: Nicht anwenden bei bestehenden Allergien oder Unverträglichkeiten gegen einen der enthaltenen Inhaltsstoffe. Ebenso zu meiden ist die Schlempe während der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen des Magens wie Magengeschwüre oder Gastritis, Entzündungen der Galle, Gallensteinen oder Sodbrennen. Der Knoblauch kann während der Stillzeit zu Problemen führen, denn es gehen zum Beispiel Substanzen aus dem Knoblauch in die Muttermilch über. Das könnte zu einem veränderten Trinkverhalten des Säuglings führen. Daher in der Stillzeit die Schlempe nicht trinken!

Bei der Einnahme von Knoblauch sind Wechselwirkungen mit Blutdruckmedikamenten und Gerinnungshemmern theoretisch möglich. Wer diese Medikamente einnimmt, sollte vor Einnahme der Schlempe mit seinem behandelnden Arzt bzw. seiner behandelnden Ärztin darüber sprechen.

Wie steht es mit der Knoblauchfahne?

Allicin, der schwefelhaltige Wirkstoff des Knoblauchs, ist nicht besonders stabil und zerfällt beim Verzehr des Knoblauchs in verschiedene schwefelhaltige Verbindungen. Die sind für den typischen Knoblauchgeruch verantwortlich, werden mit der Atemluft, dem Urin oder Schweiß ausgeschieden und sorgen für die Knoblauchfahne.

Unserer Erfahrung nach ist das obige Rezept jedoch „salonfähig“ und führt in der Regel, vermutlich aufgrund des hohen Zitronenanteils, nicht zu einer Knoblauchfahne – mit Ausnahme der ersten Tage. Es ist möglich, dass sich bei einzelnen Menschen in den ersten Tagen der Einnahme der Knoblauchgeruch in Atemluft oder Schweiß bemerkbar macht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, mit der Einnahme der Schlempe an einem Wochenende zu beginnen.

Und zum Schluss …

Am Beispiel der Knoblauch-Zitronen-Schlempe sehen wir, wie lebendig das Heilpflanzenwissen in unserer Gesellschaft zirkuliert: Eine Patientin informiert ihren Heilpraktiker über das Rezept, der wiederum seine Schülerinnen und Schüler, und diese tragen es weiter hinaus in die Welt. Die Inhaltsstoffe des Rezeptes haben sich in der praktischen Anwendung hilfreich im Winter gezeigt. Die Knoblauch-Zitronen-Schlempe kann vorbeugend in der Erkältungszeit und während eines Infektes der oberen Atemwege eingesetzt werden.

Literatur

[1] Vlachojannis J, Chrubasik-Hausmann S. Studies on the Antiviral Effect of Preparations from Garlic. Zeitschrift für Phytotherapie 2022; 43(01): 21-23

[2] Alam F, Mohammadin K, Shafique Z, Amjad ST, Asad MHHB. Citrus flavonoids as potential therapeutic agents: A review. Phytother Res. 2022 Apr;36(4): 1417-1441.

[3] Bader M, Dunkel A, Wenning M, et al: Dynamic Proteome Alteration and Functional Modulation of Human Saliva Induced by Dietary Chemosensory Stimuli. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2018; 6

[4] Zhang M, Zhao R, Wang D, et al C. Ginger (Zingiber officinale Rosc.) and its bioactive components are potential resources for health beneficial agents. Phytother Res. 2021 Feb;35(2):711-742

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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