Pflanzenheilkunde

Microgreens von Sonnenblumen – Do it yourself

15. August 2022
Microgreens von Sonnenblumen

Sonnenblumen verbreiten gute Laune: als Blume in Beet oder Vase, und als Microgreens im Essen. Das kurz nach dem Keimen geerntete junge Grün bietet jede Menge heilsame Vitalstoffe. Wie Du auf Deiner Fensterbank die Microgreens von Sonnenblumen selbst anbauen kannst, erfährst Du im Beitrag.

Sebastian Vigl

Lesezeit: 3 Minuten

Die Heilwirkungen von Sonnenblumen entdecken

Wusstest Du, dass die Sonnenblume (Helianthus annuus) auch eine Heilpflanze ist? Ihre Blüten werden bis heute in der Pflanzenheilkunde angewendet. In Indien gelten sie fast als Allheilmittel. Sonnenblumenblüten sollen die Beschwerden der Leber, Lunge und Augen lindern können. Die russische Volksmedizin empfiehlt die Blüten bei Malaria und anderen fieberhaften Erkrankungen. [1]

Ihre Heilwirkungen sind erst wenig erforscht. Bekannt sind die entzündungshemmenden Wirkungen ihrer Farbstoffe Carotinoide und Flavonoide. Gut erforscht ist die gesundheitsfördernde Wirkung der Sonnenblumensamen und des daraus gewonnenen Öls. Die Samen sind reich an Linolsäure, Ölsäure und Vitamin E. Samen und Öl können wundheilend, antioxidativ, antimikrobiell wirken. Diese Mischung könnte unter anderem bei Diabetes mellitus und Bluthochdruck hilfreich sein. [2][3] Sonnenblumenkerne haben einen hohen Tryptophan-Gehalt. Dies könnte sich positiv auf unseren Schlaf und unsere Stimmung auswirken. Tryptophan fördert nämlich den Aufbau von Serotonin – auch im zentralen Nervensystem. [4]

Mit einem einfachen Prozess verstärkst Du die heilkräftigen Vitalstoffe der Samen: mit dem Keimen.

Der Ernährungsberater und Buchautor Viktoras Kulvinskas kam als erster auf die Idee, Sonnenblumen als Microgreens zu verwenden. [5]

Microgreens sind junge Pflanzen, die schon 1–2 Wochen nach der Keimung geerntet werden. Sonnenblumen sind dann etwas größer als 5 cm, schmecken angenehm nussig und haben einen tollen Biss. Microgreens von Sonnenblumen sind eine tolle Zugabe zu Salaten oder belegten Broten.

Salat mit Microgreens
Die Microgreens von Sonnenblumen schmecken auch lecker als Topping in einem Salat. © kireewongfoto/stock.adobe.com

Nähr- und Heilwert von Microgreens der Sonnenblumen

Wenn Sonnenblumen keimen, wandeln sich ihre Inhaltsstoffe. Enzyme bauen Speicherstoffe des Samens wie Stärke zu kurzkettigen Vitalstoffen um, die eine junge Pflanze benötigt. Dadurch erhöht sich der Nähr- und der Heilwert der Pflanze. Microgreens der Sonnenblume enthalten mehr Aminosäuren, Vitamine, Polyphenole, Magnesium und Zink als die Samen. [2]

Tab. 1 Heilkräftige Inhaltsstoffe von Sonnenblumen-Microgreens [2]

Mineralien und SpurenelementeVitamineFarbstoffeAminosäurenFettsäurenSonstige pflanzliche Wirkstoffe
Phosphor, Magnesium, Kalium, Calcium, Mangan, Selen, ZinkA, B1, B2, B3, B6, C, ECarotinoide, Flavonoide wie Kaempferol, Quercetin oder Apigeninalle essenziellen Aminosäuren (viel Tryptophan), GlobulineÖlsäure, Linolsäure, Stearinsäure, PalmitinsäureChlorogensäure, Sesquiterpenlactone, Polyphenole wie Phenolsäuren

Microgreens von Sonnenblumen selbst anbauen

Microgreens von Sonnenblumen anzubauen, ist einfach und günstig. Dafür Du brauchst nur:

  • etwas Anzuchterde
  • Wasser
  • ungeschälte Sonnenblumensamen (über Nacht in Wasser eingeweicht)
  • Plastikbehälter mit Löcher am Boden
  • Sprühflasche
  • Stück Pappe oder Tuch

1. Behälter mit Löchern wählen

Um Microgreens von Sonnenblumen selbst anbauen zu können, brauchst Du einen geeigneten Behälter. Ich recycle dafür gerne Lebensmittelverpackungen wie die durchsichtigen Plastikbehälter für Obst oder Gemüse. Die sind praktisch, denn sie haben schon Löcher auf der Unterseite. Joghurtbecher zu verwenden ist übrigens auch möglich. Die Löcher bohre ich mit einem über einer Flamme erhitzten Nagel in die Becher. Vorsicht: Den heißen Nagel nur mit der Zange anfassen!

2. Behälter mit Erde füllen

Den Behälter füllst Du ca. 4 cm hoch mit Anzuchterde und drückst sie fest.

3. Sonnenblumensamen aussäen

Nun beginnt das Säen: Dafür nimmst Du ungeschälte Sonnenblumensamen, die Du über Nacht in Wasser eingeweicht hast. Lege die Samen ganz dicht beieinander und drücke sie mit der Hand fest. Dabei sollten sie alle die Erde berühren.

Wichtig: In den ersten 3 Tagen mögen die keimenden Samen keine Sonne. Decke daher Deinen Behälter mit einem Stück Pappe oder einem Tuch ab.

Nach 2 Tagen brauchen die keimenden Sonnenblumen Licht. Nimm dann den Deckel ab und stell den Behälter an einen hellen Ort in Deiner Wohnung.

4. Microgreens von Sonnenblumen bewässern

Das Saatgut befeuchtest Du in den ersten 3 Tagen 2 x täglich mit einer Sprühflasche.
Danach bewässerst alle zwei bis drei Tage Du die Microgreens von unten – dafür sollten Deine Behälter Löcher haben. Stelle sie in eine große Schüssel oder ein Becken mit Wasser, dieses dringt dann durch die Löcher in die Anzuchterde.

Microgreens von Sonnenblumen ernten
Die Microgreens von Sonnenblumen können bereits nach ca. zwei Wochen geerntet werden. © Marinesea/stock.adobe.com

5. Microgreens von Sonnenblumen ernten

Ernten kannst Du spätestens nach 2 Wochen. Die zwei Blätter Microgreens sind dann dick und sattgrün. Du kannst die Microgreens mit einer Schere kurz oberhalb der Erde abschneiden.

Zum Schluss

Die Sonnenblume macht uns glücklich – nicht nur als Blume. Vielmehr ist sie ein wertvoller Bestandteil gesunder Küche und des Arzneipflanzenschatzes. Microgreens von Sonnenblumen vereinen ihre Anwendung als Lebensmittel und sowie als Heilmittel. Sie ergänzen Deine Gerichte mit einem interessanten Geschmack und jede Menge heilsamer Vitalstoffe. Ideen für weitere Microgreen-Sorten erhältst Du im Blogbeitrag Microgreens.

Literatur

[1] Madaus G. Lehrbuch der biologischen Heilmittel. 2. Aufl. Hildesheim: Georg Olms; 1979

[2] Guo S, Ge Y, Na Jom K. A review of phytochemistry, metabolite changes, and medicinal uses of the common sunflower seed and sprouts (Helianthus annuus L.). Chem Cent J. 2017; 11: 95. DOI: 10.1186/s13065-017-0328-7.

[3] Stoia M, Oancea, S. Selected Evidence-Based Health Benefits of Topically Applied Sunflower Oil. Applied Science Reports. 2015; 10: 4 –49. DOI: 10.15192/PSCP.ASR.2015.10.1.4549

[4] Jenkins TA, Nguyen JC, Polglaze KE et al. Influence of Tryptophan and Serotonin on Mood and Cognition with a Possible Role of the Gut-Brain Axis. Nutrients. 2016; 8: 56. DOI: 10.3390/nu8010056.

[5] Braunstein MM. Microgreen Garden: Indoor Grower’s Guide to Gourmet Greens, Book Publishing Company; 2013


Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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