Pflanzenheilkunde

Migräne mit Heilpflanzen lindern

2. August 2022
Mutterkraut_Blüten

Manch frühere Kultur hielt Kopfschmerz wie die Migräne für eine Plage durch böse Geister. Geister vertreiben müssen wir zum Glück nicht mehr, denn heute verstehen wir die Mechanismen hinter der Migräne besser. Und wir kennen ein Pflanzen, die genau diese Mechanismen günstig beeinflussen könnten.

Sebastian Vigl

Lesezeit: 4 Minuten

Menschen mit Migräne interessieren sich für Heilpflanzen

16 % der Menschen weltweit leiden unter Migräne, davon sind 3/4 Frauen. Viele Betroffene suchen Hilfe bei Heilpflanzen, denn schließlich gibt es nicht für alle Migräneformen effektive und gut verträgliche schulmedizinische Therapien. Verschiedene Heilpflanzen könnten laut einzelnen Studien und der Erfahrungsheilkunde bei Migräne hilfreich sein. Am besten untersucht sind das Mutterkraut (Tanacetum parthenium), der Hanf (Cannabis indica/sativa) und das Johanniskraut (Hypericum perforatum) [1].

Mutterkraut eignet sich zur Prophylaxe der Migräne

Das Mutterkraut zählt zur botanischen Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es ähnelt dem Aussehen nach ein wenig der Kamille. Seine wichtigsten Inhaltsstoffe sind die bitter schmeckenden Sesquiterpenlactone. Zu denen zählt auch das Parthenolid, das aufgrund verschiedener Wirkungen für die Behandlung der Migräne interessant ist. Parthenolid hemmt Entzündungen, entspannt die Gefäßmuskulatur, hemmt die Blutgerinnung und die Freisetzung des Botenstoffs Serotonin aus Blutplättchen. Erste klinische Studien zeigen, dass die Einnahme von Mutterkraut vor Migräneanfällen schützen könnte [2].

Hinweis: Mutterkraut kannst Du einfach auf Deinem Balkon oder in Deinem Garten anbauen. Ihr Kraut kannst Du ernten, wenn die Pflanze blüht.

Cannabidiol aus dem Hanf ist bisweilen hilfreich

Großes Interesse erfährt in den letzten Jahren der Hanfwirkstoff Cannabidiol (CBD). Der amerikanische Cannabis-Forscher Ethan Russo zeigte, dass bei Migräne bestimmte Botenstoffe eine Rolle spielen: die Endocannabinoide. Sie ähneln nicht nur dem Namen, sondern auch ihrer Struktur nach den Hanfwirkstoffen (Cannabinoiden). Bei Migräne scheint der Körper bisweilen zu wenig Endocannabinoide zu produzieren, so die Vermutung von Russo. Dann könnte CBD hilfreich sein, da es den Abbau von Endocannabinoiden hemmt [3].

Hinweis: Wenn keine anderen Therapien helfen, finanzieren Krankenkassen bisweilen einen Therapieversuch mit CBD oder CBD-haltigem Cannabis. Wenn Du Dich dafür interessierst, sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt darüber.

Johanniskraut reguliert die Blutgefäße im Kopf

Das Johanniskraut hat nicht nur eine starke antidepressive Wirkung. Es lindert auch Nervenschmerzen und unterdrückt die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) in Blutgefäßen. Stickstoffmonoxid stellt die Gefäße im Kopf weit und spielt bei der Entstehung von Migräneattacken eine wichtige Rolle [4].

Teerezeptur gegen Migräne

Das folgende Teerezept stammt aus meiner Praxis. Wenn Du unter Migräne leidest, könntest Du es einmal kurmäßig damit 6 Wochen lang versuchen.

Hinweis! Sprich auf jeden Fall erst einmal mit Deinem behandelnden Heilpraktiker oder Arzt bzw. Deiner Dich behandelnden Heilpraktikerin oder Ärztin darüber und wende den Tee nicht ohne deren Einverständnis an! Das Rezept sollte auch nur angewendet werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin die Migräne diagnostiziert haben und andere Ursachen für die Kopfschmerzen ausschließen konnten.

Notiere Dir am besten, ob sich die Häufigkeit und die Art Deiner Migräneanfälle in der Zeit, in der Du den Tee trinkst, verändert. Wenn Dir das Teerezept hilft, dann kannst Du seine Einnahme nach einer 2-wöchigen Pause und nach Rücksprache mit Heilpraktikerin/Heilpraktiker bzw. Arzt/Ärztin wiederholen – wieder für 6 Wochen. Eine regelmäßige 2-wöchige Pause ist bei schmerzstillenden Teemischungen meist hilfreich, sonst tritt bisweilen ein Gewöhnungseffekt ein und der Tee wirkt mit der Zeit weniger gut.

Im Teerezept findest Du das bereits erwähnte Johanniskraut und Mutterkraut und auch noch andere Pflanzen, die sich bei Migräne bewähren könnten, z. B. die Rinde der Silber-Weide (Salix alba). Sie enthält das schmerzstillende Salicin, eine Vorstufe der Salicylsäure. Eine französische Studie lässt vermuten, dass die Kombination von Mutterkraut und Silber-Weide die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneanfällen reduzieren könnte [5]. Die Zugabe von Kraut des Hafers (Avena sativa) und der Schafgarbe (Achillea millefolium) geht auf die Erfahrungsheilkunde zurück. Möglicherweise wirken sich ihre beruhigenden Aspekte positiv bei Migräne aus. Auch die Blüten des Jasmins (Jasminum grandiflorum) haben sich bei der Behandlung der Migräne bewährt – wahrscheinlich aufgrund ihrer Alkaloide. Diese sollen entspannend auf die Muskulatur von Gefäßen wirken.

Teemischung bei Migräne

Zutaten

  • 15 g Jasminblüten (Jasmini flores)
  • 40 g Johanniskraut (Hyperici herba)
  • 40 g Mutterkraut (Tanaceti parthenii herba)
  • 40 g Schafgarbe (Millefolii herba)
  • 45 g Haferkraut (Avenae herba)
  • 55 g Weidenrinde (Salicis cortex)

Zubereitung/Dosierung

3-mal täglich 1 Esslöffel der Mischung mit 250 ml siedendem Wasser zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen und trinken.

Merke

In der Schwangerschaft oder Stillzeit die Rezeptur auf jeden Fall ohne Mutterkraut herstellen lassen und auch dann nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen!

Den Tee nicht einnehmen bei bekannter Salicylat-Unverträglichkeit oder Allergie gegenüber Korbblütlern!

Wer Medikamente einnimmt, sollte den Tee nur nach ärztlicher Rücksprache trinken, da das im Tee enthaltene Johanniskraut die Wirksamkeit verschiedener Medikamente beeinflussen kann!

Wenn der Tee Dir gar nicht hilft, könntest Du mit einer Ärztin oder einem Arzt mal einen Therapieversuch mit CBD oder CBD-reichem Cannabis besprechen.

Und zum Schluss …

Für viele chronische oder wiederkehrende schmerzhafte Leiden fehlen bisweilen effektive Therapien. Dies gilt auch für die Migräne. Wir kennen mittlerweile die verschiedenen Faktoren, die einen Migräneanfall auslösen. Dies erleichtert die Suche nach geeigneten Heilpflanzen. Wirkstoffe aus dem Mutterkraut, dem Hanf oder dem Johanniskraut können die einer Migräne zugrundeliegenden Mechanismen günstig beeinflussen.

Literatur

[1] Rajapakse T, Davenport WJ. Phytomedicines in the Treatment of Migraine. CNS Drugs 2019 May; 33(5): 399–415

[2] Pittler MH, Ernst E. Feverfew for preventing migraine. Cochrane Database Syst Rev 2004; CD002286

[3] Russo EB. Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered: Current Research Supports the Theory in Migraine, Fibromyalgia, Irritable Bowel, and Other Treatment-Resistant Syndromes. Cannabis Cannabinoid Res 2016 Jul 1; 1(1): 154–165

[4] Galeotti N, Ghelardini C. St. John’s wort reversal of meningeal nociception: a natural therapeutic perspective for migraine pain. Phytomedicine Int J Phytother Phytopharm 2013; 20: 930–8

[5] Shrivastava R, Pechadre JC, John GW. Tanacetum parthenium and Salix alba (Mig-RL) combination in migraine prophylaxis: a prospective, open-label study. Clin Drug Investig 2006; 26(5): 287–96

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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