Pflanzenheilkunde

Ringelblume bei Sonnenbrand

16. Juni 2022
Ringelblume, Nahaufnahme Blüte

Sogar die Sonne hat ihre Schattenseiten! Anhaltendes, ungeschütztes Sonnenbaden schädigt unsere Haut. Für die Ringelblume ist direktes Sonnenlicht dagegen kein Problem. Vor der UV-Strahlung schützen sie ihre Farbstoffe. Die können auch Dir bei Sonnenbrand hilfreich sein, beispielsweise durch eine in kaltem Ringelblumentee getränkte Kompresse.

Sebastian Vigl

Lesezeit: 3 Minuten

So entsteht der Sonnenbrand

UV-Strahlen sind sehr energiereich. Sie können uns nicht nur wärmen, sondern sogar verbrennen. Unsere Hautzellen leiden darunter, wenn wir uns zu lange und ungeschützt UV-Strahlung aussetzen. Sobald sie dadurch Schaden erleiden, setzen sie Entzündungs-Botenstoffe frei. Diese färben die Haut rot und lassen sie anschwellen: Der Sonnenbrand ist entstanden.

Einen Sonnenbrand können wir ähnlich wie andere Verbrennungen behandeln. Verschiedene Heilpflanzen, die sich bei Verbrennungen bewährt haben, sind auch bei einem Sonnenbrand empfehlenswert. Dazu zählt in erster Linie die Ringelblume (Calendula officinalis). Wahrscheinlich kennst Du die Pflanze bereits gut. Sie steht gern exponiert mitten in der Sonne.

Die Wirkstoffe der Ringelblume schützen nicht nur sie selbst vor Sonnenschäden und Verbrennungen – sondern auch uns.

Kühlende Umschläge mit der Ringelblume

Im Handel sind diverse Salben oder Gele mit Ringelblume erhältlich. Diese eignen sich zur Behandlung eines leichten Sonnenbrands. Vor der Anwendung kannst Du sie kurz in ein Gefrierfach legen – das erhöht ihre kühlende Wirkung.

Mit einer Ringelblumentinktur kannst Du Dir auch rasch einen kühlenden Umschlag machen: Mische 3 Esslöffel Ringelblumentinktur mit 200 Milliliter durch Eiswürfel gekühltes Wasser. Damit tränkst Du ein Baumwoll- oder Leinentuch und wringst es leicht aus. Dann legst Du es auf den Sonnenbrand und deckst die Stelle mit einem trockenen Tuch ab.

Wichtig: Lass den Umschlag mindestens eine halbe Stunde wirken, wobei Du das feuchte Tuch regelmäßig wieder im kalten Gemisch aus Tinktur und Wasser kühlst.

Ringelblume bei Sonnenbrand auch innerlich anwenden

Ein Sonnenbrand ist kein rein lokales Ereignis. Wir können ihn mit einem Häuserbrand in einer Stadt vergleichen: Brennt ein Haus, ist das ganze Viertel in Aufruhr. Ähnlich ist es in unserem Körper. Ein Sonnenbrand setzt Botenstoffe wie Histamin, Interleukine oder Prostaglandine frei, die das Immunsystem aktivieren. Daneben bilden sich freie Radikale, die verschiedene Organe wie zum Beispiel die Leber belasten.

Studien zeigen, dass die Ringelblume auch diese Prozesse günstig beeinflusst. Ihre antioxidativen Wirkstoffe könnten Leberzellen bei einer Verbrennung vor freien Radikalen schützen [1]. Daher ist es sinnvoll, bei Verbrennungen die Ringelblume auch innerlich anzuwenden. Ihre entzündungshemmenden Eigenschaften kommen dadurch nicht nur lokal auf der Haut zum Tragen. Bei einer innerlichen Anwendung – zum Beispiel mit dem folgenden Teerezept – wirken sie auch der Aktivierung des Immunsystems entgegen. Dies kann Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber oder Kopfschmerzen lindern.

Nach einem Sonnenbrand viel trinken ist sowieso eine gute Idee: Bei einem Sonnenbrand tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen in die Hautschichten.

Kalter Ringelblumentee bei Sonnenbrand

Bis zu 3-mal täglich 1 gestrichenen EL getrocknete Ringelblumenblüten (Calendulae flores) mit 150 ml siedendem Wasser zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen und vor dem Trinken mit Eiswürfeln kühlen.

Alternative

Bis zum 5-mal täglich 20 Tr. Ringelblumentinktur mit 200 ml Wasser einnehmen.

Wichtiger Hinweis: Bis heute sind keine unerwünschten Wirkungen bekannt, die bei der Einnahme von Ringelblumentee oder -tinktur auftreten. Es gibt auch keine Gegenanzeigen, die gegen eine Anwendung sprechen. Bei Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis) oder Magengeschwüren (Ulcus ventriculi) ist meiner Erfahrung nach trotzdem Vorsicht angebracht. Leidest Du unter einer dieser Erkrankungen? Dann nimm die Ringelblume bitte nur nach ärztlicher Rücksprache ein. Auch sind allergische Reaktionen gegen die Ringelblume sehr selten. Aber wer unter einer Unverträglichkeit oder Allergie gegen Korbblütler leidet, sollte die Ringelblume nicht anwenden. Starker Sonnenbrand gehört zudem in ärztliche Behandlung! Treten Blasen auf der Haut, Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit auf, sollte eine Ärztin oder ein Arzt Deinen Sonnenbrand behandeln.

Carotinoide als UV-Schutz: mit der Ringelblume Sonnenbrand vorbeugen?

Auch wenn die Ringelblume bei Sonnenbrand hilft, solltest Du einen Sonnenbrand nach Möglichkeit vermeiden. Schließlich können regelmäßige Sonnenbrände die Haut schädigen und Hautkrebs fördern. Zu den sicheren und einfachen Vorsichtsmaßnahmen gehören das Tragen von Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille und das Vermeiden von Sonne, besonders während der Mittagszeit. Daneben gibt es für jeden Hauttyp passende Sonnenschutzmittel, einige davon sind auch mit Ringelblume erhältlich. Ihre Farbstoffe, die sogenannten Carotinoide, reflektieren UV-Strahlung und bieten damit auch einen gewissen Schutz vor Sonnenbrand [2].

Und zum Schluss

Eine Ringelblumentinktur gehört meiner Meinung nach in jede Haus- oder Reiseapotheke. Damit lassen sich nicht nur schnell Hämatome oder Verletzungen, sondern auch Sonnenbrände behandeln. Dabei kommt die Ringelblume bei Sonnenbrand nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich zur Anwendung.

Literatur

[1] Chandran PK, Kuttan R. Effect of Calendula officinalis Flower Extract on Acute Phase Proteins, Antioxidant Defense Mechanism and Granuloma Formation During Thermal Burns. J Clin Biochem Nutr 2008 Sep; 43(2): 58–64

[2] Stahl W, Sies H. β-Carotene and other carotenoids in protection from sunlight. Am J Clin Nutr 2012 Nov; 96(5): 1179S–84S

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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