Pflanzenküche

Gomasio – das gesunde Sesamsalz zum Selbermachen

20. Februar 2024
Sesamsalz in einer Schale

Wenn Du Dein Essen gerne stärker würzt, aber nicht zu viel Salz zu Dir nehmen willst, ist Sesamsalz vielleicht genau dein Ding! Es schmeckt lecker-würzig durch den hohen Anteil angerösteter Sesamsamen – und das mit einem geringen Anteil an Kochsalz. Salzkonsum reduzieren mit Genuss!

Martin Zwiesele

Lesezeit: 4 Minuten

Salz und Gesundheit

Grundsätzlich ist Kochsalz (Natriumchlorid) für unseren Körper lebensnotwendig. Es ist unter anderem für die Regulation des Wasserhaushaltes, der Verdauung, des Knochenaufbaus sowie bei der Reizübertragung in Muskel- und Nervenzellen unverzichtbar. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass ein Übermaß an Salzkonsum (in der Regel vor allem durch stark verarbeitete Fertigprodukte, Backwaren oder Fleischprodukte) der Gesundheit abträglich ist. Bei zahlreichen Menschen führt der Genuss von zu viel Salz unter anderem zu einer Erhöhung des Blutdrucks, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfälle erhöht. Daher wird eine Reduktion des Salzkonsums auf 5 g täglich empfohlen [1]. Warum nimmst Du dafür nicht Sesamsalz zu Hilfe?

Biologisches zum Sesam

Sesam (Sesamum indicum) gehört zur Familie der Sesamgewächse (Pedaliaceae). Seit über 5000 Jahren wird er – vor allem in Asien und dem Mittleren Osten – angebaut und gehört damit zu den ersten kultivierten Pflanzen der Menschheit. Seine medizinische Nutzung ist auch seit Jahrtausenden belegt.

Auch wenn Sesam nicht zu den heimischen Pflanzen in Europa gehört, ist er schon seit langem als Teil unserer Ernährung bei uns angekommen. Die Samen werden geröstet, gemahlen oder ihr Öl etwa in Backwaren, Salaten oder Saucen verwendet. Vielleicht kennst Du auch Tahin, die leckere Sesampaste, die vermehrt in der orientalischen Küche zum Einsatz kommt.

Sesamsalz: gesunde Ergänzung für den Speiseplan

Sesam bietet eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, viel Eiweiß sowie weitere wertvolle Inhaltsstoffe, die unsere Ernährung bereichern können. Außerdem wurde einiges zu möglichen medizinischen Einsatzmöglichkeiten und Wirkungen geforscht: antioxidative Wirkungen, Blutdruck- und Blutfettsenkung, antidiabetische Effekte, Entzündungshemmung, antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften bis hin zum Schutz von Herz, Leber und Nieren sind nur ein Teil des untersuchten Spektrums [3]. Leider liegen zur Wirkung und offiziellen Einschätzung des Sesams bisher keine Monografien der Kommission E, ESCOP oder HMPC vor.

Inhaltsstoffe in Sesamsamen [2]

  • Lignane wie Sesamin oder Sesamol. Lignane sind wesentliche Wirkstoffe in Sesamsamen und haben unter anderem antioxidative, blutfettregulierende und die Leberfunktion unterstützende Eigenschaften.
  • bis zu 20% Proteine
  • zahlreiche essenzielle Aminosäuren
  • ungesättigte Fettsäuren
  • Mineralien: beträchtliche Mengen an Calcium, Magnesium, Phosphor und Kalium. Außerdem nennenswerter Gehalt an Eisen, Kupfer, Mangan, Selen und Zink.
  • Vitamine A, B1, B2, B3, B5, B6, B9, C, E
  • Phytosterole: Phytosterolen werden cholesterinsenkende und potenziell krebshemmende Wirkungen zugesprochen.
  • Polyphenole: antioxidativ wirkende Stoffe. Es wird unter anderem diskutiert, inwiefern sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können.

Geröstetes Sesamsalz stellt eine wunderbare Möglichkeit dar, den Kochsalzkonsum zu reduzieren sowie von den gesundheitlichen Wirkungen des Sesams zu profitieren. Gomasio oder Gomashio (von japanisch „goma“ = „Sesam“ und „shio“ = „Salz“) kommt aus Japan. Dort wird überwiegend der schwarze Sesam verwendet. Im Westen kam Gomasio durch die Makrobiotik-Welle der 1980er-Jahre in Mode – hier wird bevorzugt der helle/weiße Sesam  eingesetzt [4]. Die ernährungsphysiologischen wie auch medizinischen Wirkungen sind beim schwarzen und weißen Sesam weitgehend gleich [2].

Rezept: Sesamsalz selbst herstellen

Es gibt unterschiedliche Rezepte für Gomasio: Die Mischungsverhältnisse (Salz zu Sesam) reichen von 1:6 bis 1:16 – je nachdem, wie würzig oder salzarm Du die Mischung bevorzugst. Hier also mein eigenes Rezept für den Hausgebrauch:

Auf 250 g Sesam nehme ich ca. 30 g Stein- oder Meersalz. Beides zusammen wird ohne Öl in einer Pfanne erhitzt und immer wieder umgerührt. Durch das Rösten entsteht bald ein aromatisch-nussiger Duft, einige Sesamkörner beginnen zu springen und sich dunkler zu färben. Wenn sich etwa ein Viertel des Sesams dunkel verfärbt hat, ist es so weit. Dann nehme ich die Pfanne von der Herdplatte, lasse das Ganze etwas abkühlen und mahle etwa ein Drittel der Mischung in einer Kaffeemühle . Anschließend mische ich den gemahlenen Anteil mit dem Rest und lasse das Ganze offenstehen, bis es ausgekühlt ist. Das fertige Gomasio hält sich luftdicht abgeschlossen und möglichst lichtgeschützt für einige Wochen.

Manche stellen sich das Gomasio zu den einzelnen Mahlzeiten mit dem Mörser frisch her. Das wäre mir persönlich zu viel Aufwand, gerade auch weil ich es zu allen möglichen Gerichten von Salaten bis Suppen einsetze. Auch zum Frühstücksei oder auf ein Brot mit Frischkäse und Kresse oder Tomaten gestreut, ist es eine Delikatesse. Die Wirkung der Sesam-Inhaltsstoffe nimmt zwar tendenziell mit der Zeit ab, aber ranzig geworden ist mir das Gomasio auch nach 1-2 Monaten noch nie.

Zusätzlicher Tipp für Experimentierfreudige: Du kannst natürlich auf Grundlage der Sesam-Salz-Mischung auch eigene Kreationen ausprobieren, bei denen Du auch andere Gewürze wie Pfeffer, gemahlenen Ingwer oder Orangenschalen mit einbeziehen kannst.

Anwendungshinweise

Sesamsamen gelten als starkes potenzielles Allergen, sie können in seltenen Fällen allergische Reaktionen auslösen, die sich in Juckreiz, großflächigen Hautrötungen, sowie Schwellungen (Quincke-Ödem) des Gaumenzäpfchens bis hin zu Schockzuständen äußern können Bei berufbedingtem starkem Kontakt mit Sesamsamen wurden in einzelnen Fällen auch schnupfenartige bis asthmatische Symptome sowie Nesselsucht beobachtet. Neben dem allergenen Potenzial der Sesamsamen bestehen abgesehen vom Salzgehalt bei normalem Konsum von Gomasio (bis 2 gehäufte Teelöffel täglich) keine Gefahr von Vergiftungen, Neben- oder Wechselwirkungen [5].

Cave: Du solltest vor dem Genuss von Gomasio vorher abgeklärt haben oder ganz klar wissen, dass Du nicht gegen Sesamsamen allergisch bist.

Zum Schluss

Geröstetes Sesamsalz ist schon seit einigen Jahren für mich zu einem unersetzlichen Bestandteil meiner Ernährung geworden. Guter Geschmack und starkes Aroma sind eben auch ohne viel Salz zu haben! Vielleicht habe ich Dich nun auch neugierig gemacht? Probiere es doch mal aus!

Literatur

[1] https://www.who.int/europe/de/news/item/14-03-2022-5-recommendations-to-reduce-salt-intake-to-live-longer-and-healthier-lives. Stand: 03.02.2024

[2] Wei P. et al. 2022. Sesame (Sesamum indicum L.): A Comprehensive Review of Nutritional Value, Phytochemical Composition, Health Benefits, Development of Food, and Industrial Applications. Nutritients 2022.14: 4079

[3] Mili A. et al. 2021. A comprehensive review on Sesamum indicum L.: Botanical, ethnopharmacological, phytochemical, and pharmacological aspects. Journal of Ethnopharmacology 281 (2021) 114503

[4] https://www.zauberdergewuerze.de/magazin/gewuerzlexikon/was-ist-gomasio. Stand: 03.02.2024

[5] Blaschek W et al. Hrsg. Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen. Stuttgart: WVG/Springer; 2014


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Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

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