Historisches

Walahfrid Strabo (809–849 n. Chr.): Liber de cultura hortorum

12. Januar 2024
Historische Bücher

Papyrus Ebers, Lorscher Arzneibuch, New Kreuterbuch? Bekannt! Hippokrates von Kos, Dioskurides, Walahfrid Strabo? Natürlich auch! Was aber wissen Sie über diese Werke oder ihre Verfasser denn tatsächlich? Kurze und übersichtliche Zusammenfassungen lesen Sie hier. Immer freitags! Denn wir haben da mal was zusammengestellt …

Iris Eisenmann-Tappe

Der Benediktinermönch Walahfrid war bereits als Kind von seinen Eltern ins Kloster Reichenau gegeben worden. Er erhielt dort eine ausgezeichnete Ausbildung und studierte anschließend beim Abt des Klosters Fulda, Rabanus Maurus. Dieser war einer der bedeutendsten Gelehrten in der sogenannten Karolingischen Renaissance, der Zeit der Bildungsreformen, die Karl der Große eingeleitet hatte und die sein Sohn Ludwig der Fromme fortführte. Walahfrid wurde zum Erzieher des Kaisersohnes Karl an den Hof in Aachen berufen und hatte dort wohl starkes Heimweh nach seiner geliebten Reichenau, wie man aus einem rührenden Gedicht weiß, dass er nach Hause schickte. Walahfrid war nicht nur ein guter Lehrer, sondern auch ein guter Dichter. Seine Liebe galt außerdem dem Gartenbau und der Botanik. Für Pflanzen hatte er eine gute Beobachtungsgabe, dabei war wohl sein Augenfehler nicht hinderlich, der ihm den Beinamen Strabo, „der Schielende“ eingebracht hatte.

Zu Walahfrids Glück machte ihn der Kaiser als Dank für die Erziehung seines Sohnes im Jahr 838 zum Abt des Klosters Reichenau, ein Amt, das er mit einer knapp zweijährigen Unterbrechung bis zu seinem Tod innehatte.

Das Liber de cultura hortorum (oder kurz Hortulus, das „Gärtchen“) ist ein Lehrgedicht, das wir heute als eines der bedeutendsten botanischen Werke des Mittelalters betrachten; Walahfrid schrieb es um das Jahr 840. In lateinischen Hexametern werden ein Klostergarten mit 24 Heilpflanzen, ihr Erscheinungsbild und ihre Anwendung beschrieben. Als belesener Mann und Abt eines Klosters mit einer ausgezeichneten Bibliothek konnte Walahfrid für sein Lehrgedicht auf eine spätantike Quelle zurückgreifen: auf das Liber medicinalis des Quintus Serenus aus dem 4. Jahrhundert. Dieser wiederum hatte sein Wissen der Naturalis Historia des Plinius entnommen. Dennoch macht die dichterische Begabung Walahfrids und seine Liebe zu den Pflanzen etwas völlig anderes aus der Vorlage. So ist sein Gedicht nicht nur berühmt geworden wegen der botanisch korrekten Vorstellung der Pflanzen und ihrer arzneilichen Wirkung, sondern auch wegen der lyrischen Beschreibung eines Gärtnerglücks, die auch die Mühsal des Gärtnerns nicht verschweigt:

„… und nicht allein Lektüre, die schöpft aus den Büchern der Alten: Arbeit und eifrige Neigung vielmehr, die ich vorzog der Muße, Tag für Tag, haben dies mich gelehrt durch eigne Erfahrung.“

Walahfrid Strabo: Liber de cultura hortorum

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Mehr über historische medizinische Schriften, deren Verfasser und die Anwendung der Heilpflanzenkunde in der Klostermedizin lesen Sie in: Klostermedizin bei Erkrankungen des Verdauungstrakts | 9783132416437 | Thieme Webshop

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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