Pflanzenheilkunde

Mit Hopfen, Gänsefingerkraut und Schafgarbe gegen die Reizblase

18. Juli 2023
Reizblase

Häufiger Harndrang ist für Betroffene sehr unangenehm. Dafür kann eine Reizblase verantwortlich sein. In der Erfahrungsheilkunde finden hier vor allem krampflösende oder entspannende Heilpflanzen wie Schafgarbe, Gänsefingerkraut oder Hopfen Anwendung, bei Ursachen wie Wechseljahre oder gutartige Prostatavergrößerung sind noch spezifische Ergänzungen anderer Heilpflanzen möglich.

Sebastian Vigl

Lesezeit: 4 Minuten

Reizblase: Beschwerden bei Männern und Frauen

Von einer Reizblase sind vor allem Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr betroffen. Bei Männern steigt das Risiko, an einer Reizblase zu leiden, mit dem Alter, typischerweise treten die Beschwerden bei ihnen ab dem 50. Lebensjahr auf. Oft ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata dafür verantwortlich. Insgesamt leiden beinahe 15 % der Menschen in Europa über 40 Jahre an einer Reizblase [1].

Die Beschwerden, die eine Reizblase verursacht, ähneln zum Teil denen einer Blasenentzündung: Die Betroffenen berichten über häufigen und dringenden Harndrang, oft bei nur gering gefüllter Harnblase. Bisweilen ist der Harndrang so stark, dass der Urin nicht gehalten werden kann (sogenannte Drang-Inkontinenz). Begleitend können krampfartige Schmerzen im Unterleib auftreten. Wichtig sind die Unterschiede zur Blasenentzündung: Es treten keine Schmerzen beim Wasserlassen auf, zudem fehlen Entzündungszeichen wie Fieber, und im Urin sind keine Bakterien nachweisbar.

Wichtig: Treten bei Dir Beschwerden auf, die zu einer Reizblase passen, suche zunächst auf jeden Fall das Gespräch in Deiner hausärztlichen Praxis. Die Diagnose Reizblase kann nur gestellt werden, nachdem andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden können – und das muss durch eine ärztliche Diagnostik erfolgen.

Drei entkrampfende Heilpflanzen für die Reizblase

Die folgende Teemischung für die Reizblase stammt aus meiner Praxis. Die Wahl der folgenden Heilpflanzen erfolgte auf Grund der Erkenntnisse der Erfahrungsheilkunde. In den Monografien der Pflanzen von HMPC, Kommission E oder ESCOP findet sich keine Nennung der Reizblase bei den Therapieoptionen. Die in der Erfahrungsheilkunde beobachteten positiven Wirkungen dieser Heilpflanzen bei Reizblase könnte mit ihren entkrampfenden oder beruhigenden Eigenschaften zusammenhängen. Auch die Schulmedizin nutzt entkrampfende Arzneimittel (aus der Gruppe der Anticholinergika) für die Behandlung der Reizblase.

Die Wirkweise des Hopfens (Humulus lupulus) bei der Reizblase wurde in Kombination mit dem Duftenden Sumach (Rhus aromatica) und dem Arznei-Kürbis (Cucurbita pepo) untersucht. Diese Pflanzenkombination zeigt in einer Studie positive Wirkung [2]. Der Hopfen wirkt zudem beruhigend und ist zum Beispiel als sanftes pflanzliches Schlafmittel beliebt. Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) und Schafgarbe (Achillea millefolium) finden in der Volksheilkunde bei Reizblasenbeschwerden Anwendung [3].

Tee gegen Reizblase

Rezeptur

  • 15 g Hopfenzapfen (Humuli strobuli)
  • 55 g Gänsefingerkraut (Anserinae herba)
  • 65 g Schafgarbenkraut (Millefolii herba)

Einnahmeempfehlung

Maximal 6 Wochen lang 3-mal tgl. vor den Mahlzeiten 1 EL der Teemischung mit 250 ml siedendem Wasser übergießen, den Aufguss zugedeckt 15 min. ziehen lassen. Abseihen und ungesüßt trinken.

Wichtig: Nach heutigen Erkenntnissen sind für die Einnahme der obigen Teemischung keine Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen zu erwarten. Auch Gegenanzeigen sind keine bekannt. Dennoch solltest Du den Tee nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Heilpraktikerin und nach eingehender Untersuchung anwenden.

Ergänzungen in den Wechseljahren und bei gutartiger Prostatavergrößerung

In den Wechseljahren kann der sinkende Östrogenspiegel zu verstärktem Harndrang führen. Meiner Erfahrung nach könnte dann der Einsatz von Phytoöstrogenen hilfreich sein. Das sind pflanzliche Wirkstoffe, die an Östrogenrezeptoren binden und damit eine östrogene Wirkung entfalten. Die Isoflavone des Rotklees (Trifolium pratense) gehören zur Gruppe der Phytoöstrogene. HMPC, Kommission E und ESCOP haben sich noch nicht zu dem Einsatz von Rotklee in den Wechseljahren geäußert. Auf Grund ihrer positiven Eigenschaften sind Rotklee-Isoflavone mittlerweile jedoch in der ärztlichen S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ erwähnt [4].

Hinweis: Für die Anwendung von Rotklee-Isoflavonen sollten in Apotheken erhältlichen Präparate verwendet werden. Die Anwendung darf in jedem Fall auch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen! Weitere Informationen zu Rotklee und seiner Anwendung in den Wechseljahren findest Du auch in meinem Beitrag Isoflavone aus dem Rotklee bei Wechseljahresbeschwerden.

Ist bei einem Mann eine gutartige Prostatavergrößerung verantwortlich für die Reizblase, so kann begleitend zum obigen Tee eine Einnahme der Früchte der Sägepalme (Sabal serrulata) sinnvoll sein. Sowohl HMPC, Kommission E und ESCOP befürworten in ihren Monografien den Einsatz von Sägepalmenfrüchten bei Problemen beim Wasserlassen (Miktionsbeschwerden), die bei einer gutartigen Prostatavergrößerung auftreten können.

Hinweis: Auch in diesem Fall sollten Arzneimittel mit Sägepalmenfrüchten aus der Apotheke verwendet werden und die Einnahme darf auch in diesem Fall nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen! Das Arzneimittel darf zudem nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Sägepalmenfrüchten eingenommen werden – weitere Gegenanzeigen und Wechselwirkungen sind nicht bekannt. Als Nebenwirkung sind Magenbeschwerden möglich, treten sie auf, ist ärztliche Rücksprache erforderlich.

Und zum Schluss

Hopfen, Schafgarbe und Gänsefingerkraut haben sich bei der unterstützenden Behandlung der Reizblase bewährt, sind aber kein Ersatz für eine ausführliche schulmedizinische Diagnostik und Therapie. Das Teerezept kann in den Wechseljahren oder bei Bestehen einer gutartigen Prostatavergrößerung nach ausführlicher schulmedizinischer Diagnostik und Rücksprache durch Rotklee bzw. Früchte der Sägepalme ergänzt werden.

Literatur

[1] Irwin DE et al. Population-based survey of urinary incontinence, overactive bladder, and other lower urinary tract symptoms in five countries: results of the EPIC study. Eur Urol. 50, 2006, S. 1306

[2] Gauruder-Burmester A, Heim S, Patz B, Seibt S. Cucurbita pepo-Rhus aromatica-Humulus lupulus Combination Reduces Overactive Bladder Symptoms in Women – A Noninterventional Study. Planta medica, 85(13), 2019: 1044–1053

[3] Blaschek W, Ebel S, Hackenthal E, Holzgrabe U, Keller K, Reichling J, Schulz V. Potentilla, Achillea. Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen. Stuttgart: WVG/Springer; 2014

[4] Langfassung der Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-062l_S3_HT_Peri-Postmenopause-Diagnostik-Interventionen_2021-01.pdf, zuletzt abgerufen am 23.03.2023

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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