Pflanzenheilkunde

Isoflavone aus dem Rotklee bei Wechseljahresbeschwerden

20. September 2022
Rotklee (Trifolium pratense)

Schon mal ein vierblättriges Kleeblatt gefunden? Nur eins von 1.000 Blättern soll so aussehen. Da ist es leichter, unter den fast 300 Vertretern der Pflanzengattung Klee eine Heilpflanze zu finden. Dazu noch eine, die man bei Wechseljahresbeschwerden beinahe „über den grünen Klee loben“ könnte.

Sebastian Vigl

Lesezeit: 3 Minuten

Rotklee: Eine der Kleesorten, die Glück bringen

Der Amerikaner Edward Martin hatte eine besondere Leidenschaft: In den letzten 15 Jahren seines Lebens sammelte er vierblättrige (botanisch korrekter ist die Bezeichnung vierfiedrige) Kleeblätter. Über 100.000 hat er gesammelt – mit sehr viel Fleiß und sicher einer gehörigen Portion Glück. Denn häufig findet man sie nicht. Normalerweise besitzt die botanische Pflanzengattung Klee (Trifolium) dreifiedrige Blätter, nur selten findet man ein vierfiedriges, Schätzungen zufolge 1 von 1.000! Wer eines findet, dem soll weiteres Glück zuteilwerden, so ein alter Glaube.

Nicht nur Exemplare mit vierfiedrigen Blättern, sondern alle Kleesorten können tatsächlich Glück bedeuten: Für Pflanzenfresser, weil sie eiweißreiche Nahrung sind, und für Insekten, weil sie eine reichhaltige Nektarquelle darstellen. Und für die Fruchtbarkeit des Bodens, diese verbessern sie, indem sie im Boden Stickstoff anreichern.

Eine besondere Kleesorte findet auch als Heilpflanze Verwendung: Der auch als Wiesen-Klee bekannte Rotklee (Trifolium pratense). Er wird schon länger als entzündungshemmende Heilpflanze geschätzt und in der Volksmedizin unter anderem bei Durchfällen sowie äußerlich bei der Behandlung von Geschwüren (im Mittelalter eine der Hauptanwendungen) und Hauterkrankungen. Seine große Bekanntheit heute verdankt er seinen Isoflavonen und deren Wirkung auf das weibliche Hormonsystem.

Wie Isoflavone des Rotklees den Östrogenhaushalt beeinflussen

Östrogene zählen zu den wichtigsten weibliche Geschlechtshormonen. Ihre weitreichenden Aufgaben im Körper zeigen sich, wenn bei Frauen in der Zeit zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr die Wechseljahre beginnen. Der Körper produziert dann schrittweise weniger Östrogene, was bei ungefähr einem Drittel aller Frauen zu starken körperlichen und seelischen Beschwerden führt. Dazu zählen unter anderem Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Osteoporose, Stimmungsschwankungen oder trockene Schleimhäute.

Während der Östrogengehalt im Körper in den Wechseljahren zurückgeht, bleiben die Östrogen-Rezeptoren erhalten. Dies sind die Bindungsstellen, an denen Östrogene ihre Wirkung entfalten. Doch nicht nur Östrogene binden an Östrogen-Rezeptoren, auch Naturstoffe wie die Isoflavone aus dem Rotklee. Dafür verantwortlich ist ihre Struktur: Sie gleicht der körpereigener Östrogene.

In den Wechseljahren könnten Rotklee-Isoflavone bei Östrogenmangel hilfreich sein, wie bisherige Studien vermuten lassen. [1]) Im Knochenmark sollen sie demzufolge der Abnahme der Knochendichte entgegenwirken. Im Gehirn scheinen sie der Abnahme des Botenstoffs Serotonin entgegenzuwirken. Die Abnahme von Serotonin geht nicht selten mit depressiver Verstimmung, Schlafstörungen, Schweißausbrüchen oder Hitzewallungen einher. In klinischen Studien zeigte sich auch eine Wirkung bei wechseljahresbedingter sexueller Unlust, Gewichtszunahme und erhöhten Blutfettwerten. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften sind Rotklee-Isoflavone mittlerweile in der ärztlichen S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ erwähnt. [2]

Viele Wissenschaftler*innen verweisen aber auch darauf, dass es noch weitere klinische Studien braucht, um den Nutzen von Rotklee bei Wechseljahresbeschwerden besser beurteilen zu können. [3] Dies gilt insbesondere für eventuelle Risiken, die mit der Einnahme von Rotklee in Verbindung stehen können.

Was bei der Anwendung von Rotklee in den Wechseljahren zu beachten ist

Die Aktivierung von Östrogen-Rezeptoren durch Isoflavone könnte nicht nur positive Auswirkungen haben, so eine immer noch nicht ganz entkräftete Vermutung. Dies gilt insbesondere für Tumorerkrankungen wie Brustkrebs, bei denen eine Aktivierung von tumoreigenen Östrogen-Rezeptoren das Wachstum fördert. Neuere Untersuchungen lassen zwar vermuten, dass Isoflavone nicht an Östrogen-Rezeptoren von Tumorzellen binden. [4] Dennoch ist Vorsicht geboten!

Achtung! Frauen mit oder nach einer östrogenabhängigen Krebserkrankung der Brust oder der Gebärmutter sowie einem erhöhten Risiko für diese Erkrankungen dürfen Rotklee-Präparate oder Teezubereitungen aus Rotklee und sonstige Zubereitungen nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Ebenfalls ärztliche Rücksprache vor der Einnahme sollten Frauen halten, die sich unsicher sind, ob bei ihnen ein erhöhtes Risiko für eine östrogenabhängige Krebserkrankung besteht.

Präparate aus Heilpflanzen sind auf dem Markt in unterschiedlicher Qualität erhältlich, dies gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel mit Rotklee-Extrakten. Auf Nummer sicher geht, wer sich hierzu in einer Apotheke beraten lässt.

Neben reinen Rotklee-Präparaten sind im Handel auch Präparate zu finden, bei denen Rotklee- und Soja-Extrakte gemischt sind. Auch Soja (Glycine max) enthält Isoflavone, die an Östrogen-Rezeptoren binden.

Und zum Schluss …

Die Isoflavone des Rotklees binden an Östrogen-Rezeptoren. Das könnte in den Wechseljahren hilfreich sein, wie Studien und praktische Erfahrung zeigen. Bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden empfehle ich die Einnahme von Präparaten aus dem Rotklee. Diese garantieren eine therapeutisch relevante Menge an Isoflavonen.

Wichtiger Hinweis!

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

Literatur

[1] Mohsen A, Fatemeh K, Leila N, Mona P, Mohammad Z, Mozafar K. Pharmacological and therapeutic properties of the Red Clover (Trifolium pratense L.): an overview of the new finding. J Tradit Chin Med. 2021 Aug;41(4):642-649

[2] Langfassung der Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-062l_S3_HT_Peri-Postmenopause-Diagnostik-Interventionen_2021-01.pdf, zuletzt abgerufen am 02.03.2022

[3] Kanadys W, Barańska A, Błaszczuk A, Polz-Dacewicz M, Drop B, Kanecki K, Malm M. Evaluation of Clinical Meaningfulness of Red Clover (Trifolium pratense L.) Extract to Relieve Hot Flushes and Menopausal Symptoms in Peri- and Post-Menopausal Women: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients. 2021 Apr 11;13(4):1258

[4] Ferraris C, Ballestra B, Listorti C, Cappelletti V, Reduzzi C, Scaperrotta GP, Pulice I, Ferrari EGA, Folli S, Mariani L, Martelli G. Red clover and lifestyle changes to contrast menopausal symptoms in premenopausal patients with hormone-sensitive breast cancer receiving tamoxifen. Breast Cancer Res Treat. 2020 Feb;180(1):157-165

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