Pflanzenheilkunde

Gut gewickelt – Kohlwickel bei Gelenkschmerzen

14. Oktober 2022
Wirsing

Wickel und Auflagen galten bis zu den 1970er-Jahren als üblicher Bestandteil der Pflege. Danach verschwanden sie fast vollständig und verloren an Bedeutung. Zum Glück erleben sie eine Renaissance, denn die heilsamen Anwendungen von zum Beispiel Kohlwickeln sind wohltuend und meist auch gut Zuhause anzuwenden.

Susanne Koch

Lesezeit: 4,5 Minuten

Kohl als Nahrungs- und Heilmittel

Kohl (Brassica) ist schon seit alters Bestandteil unserer Nahrung. Lange Zeit als derbes Armeleuteessen abgewertet, findet man heute wieder häufiger Rezepte für leckere Kohlgerichte. Dabei kommt Kohl in sehr vielen verschiedenen Varianten ins Spiel, zum Beispiel als Blumenkohl, Wirsing, Weißkohl, Kohlrüben und Rosenkohl. Gesund sind sie allesamt, denn neben Wasser weisen alle Kohlsorten viele Vitamine auf – unter anderem Vitamin C und B-Vitamine –, dazu Kalzium, Magnesium, Folsäure, Zink und Eisen. Außerdem stecken Sulforaphane, denen eine krebshemmende Wirkung zugesprochen wird, entgiftende Flavonoide und durchblutungsfördernde Senföle in Kohl [1]. Auch als Heilmittel ist Kohl schon sehr lange bekannt: Bereits in der altrömischen Medizin nutzte man Kohl zu Heilzwecken. Er soll vor allem bei entzündlichen Prozessen anziehend auf belastende Substanzen, zum Beispiel Entzündungsmediatoren, wirken und dafür sorgen, dass diese über die Haut ausgeschieden werden können [2].

In diesem Beitrag erfährst Du mehr über Einsatzmöglichkeiten von Kohlwickeln und die Anwendung bei Gelenkschmerzen.

Kohlwickel im Einsatz

Untersuchungen zeigten die Wirksamkeit von Auflagen mit Kohlblättern vor allem bei Osteoarthritis [3, 4], aber auch bei Milchstau oder Entzündungen der Brust [5]. Nicht zuletzt bei Venenentzündungen oder schlecht heilenden Wunden sollen Kohlwickel signifikante Besserung herbeiführen [6].

Welchen Kohl verwendet man bei Gelenkschmerzen?

Für Kohlwickel bei Gelenkschmerzen können Blätter des Wirsings (Brassica oleracea var. sabauda) und des Weißkohls (Brassica oleracea var. capitata) verwendet werden. Den beiden Kohlsorten werden unterschiedliche spezifische Wirkschwerpunkte zugeschrieben [6]. In erster Linie kommt bei Gelenkschmerzen demnach der Wirsing zum Einsatz, seine Indikationen sind vorrangig Entzündungen und stumpfe Verletzungen von Gelenken, Arthritis und Gicht. Weißkohl hat seine Wirkschwerpunkte bei Prozessen mit Stauungen wie beispielsweise Gelenkergüssen. Dennoch können beide Kohlarten bei all den beschriebenen Beschwerden benutzt werden und werden den Heilprozess fördern.

Hinweis: Neu auftretende Gelenkbeschwerden sollten ärztlich abgeklärt sein.

Der Teil des Kohles, den Du nicht für die Wickel benötigst, kann in den Kochtopf wandern und zu einer wärmenden Mahlzeit verarbeitet werden. Für Wickel benutzte Kohlblätter dagegen gehören zum Abfall oder in den Kompost, sie sind nicht mehr zum Verzehr geeignet.

Kontraindikationen

Kontraindikationen sind für Anwendungen mit Kohlblättern bei beiden Sorten nicht bekannt. Jedoch können Anwendungen mit Kohl manchmal sehr stark wirken und die Schmerzen können kurzzeitig schlimmer werden. Wenn diese kurzzeitige Verschlimmerung nicht innerhalb von 15–20 Minuten deutlich nachlässt, sollte die Kohlauflage abgenommen werden.

So wird’s gemacht – Kohlwickel gegen schmerzende Gelenke

Für eine Auflage mit Kohl benötigst Du:

  • Bio-Kohlkopf, nach Möglichkeit Wirsing
  • Messer
  • Schneidebrett und Nudelholz aus nicht saugendem Material wie Kunststoff oder Edelstahl. Holz saugt den wertvollen Pflanzensaft auf, den Du aber auch für den Wickel haben möchtest. Zudem nimmt es dauerhaft den Geruch an.
  • Handtuch
  • dünnes Baumwoll- oder Leinentuch – je nach Größe der Auflage sind Kompressen ist ein Kopftuch oder ein ähnliches Stück Stoff geeignet
  • Binde zur Befestigung
  • Verbandklammern oder Pflaster

Anwendung

Du kannst den Wickel mit etwas Geschick bei Dir selbst anwenden. Leichter geht es, wenn Dir eine zweite Person zur Hand geht, vor allem beim Anbringen.

Nimm vom Kohlkopf die äußeren, großen und dunklen Blätter ab, wasche sie gründlich und trockne sie mit einem Tuch ab.

Dann schneidest Du mit einem Messer die dicke mittlere Blattrippe und weitere besonders dicke Blattadern schön flach. Wenn die Mittelrippe sehr hart ist, schneidest Du sie heraus. Die Blattrippen könnten unangenehm drücken, wenn Du sie dranlässt.

Als nächstes breitest Du die Blätter dem Schneidebrett aus und rollst die Blätter so lange kräftig mit der Walze, bis der Saft austritt und es stark nach Kohl riecht.

Lege das Handtuch unter das schmerzende Gelenk zum Schutz der Möbel vor dem austretenden Saft der Blätter. Leg auf das Handtuch das dünne Zwischentuch, damit du es gleich parat hast. Dann legst Du die gewalzten Kohlblätter wie Dachziegel übereinander und auf das Gelenk. Für kleinere Körperstellen schneidest Du die Kohlblätter in feinere Streifen. Fixiere die Kohlblätter mit dem dünnen Tuch, indem Du dieses darüber ausbreitest und festhältst.

Nun wickle die Binde nicht zu straff um die Kohlblätter und das Tuch und fixiere das Ende mit den Verbandklammern oder dem Pflaster. Wenn Du keine Binde hast, ist je nach Größe des Gelenks auch ein Stück einer Strumpfhose oder ein Schal geeignet.  Diese sollten möglichst aus Naturfasern bestehen, damit die Haut weiter gut atmen kann.

Dieser Wickel bleibt nun mindestens eine und bis zu 12 Stunden auf dem Gelenk. Du kannst also eine Kohlauflage ohne Probleme über Nacht anwenden. Es empfiehlt sich, das Gelenk währenddessen nicht zu belasten.

Nach der Anwendung

Nachdem Du die Auflage abgenommen hast, solltest Du die Haut abwaschen und abtrocknen. Die Haut danach eincremen, auch eine Massage mit Olivenöl oder Rotöl soll den Heilungsprozess begünstigen.

Hinweis: Wenn der Kohl nach einiger Zeit anfängt, schlecht zu riechen und braun zu werden, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass der Kohl schon viele Giftstoffe aus dem Körper transportiert hat. Dann solltest Du die Auflage entfernen und wenn möglich erneuern. Das kommt vor allem bei akuten Erkrankungen vor.  Werden die Blätter trocken und gelb, könnte dies bedeuten, dass die Ausscheidung von Giftstoffen beendet ist und die Behandlung abgeschlossen werden kann oder dass die Kohlauflage nicht wirkt [2].  

Wie häufig kann ein Kohlwickel angewendet werden?

Eine Kohlauflage kann 1–2x täglich angewendet und so lange wiederholt werden, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Wenn die Beschwerden jedoch nicht nach 2–3 Tagen deutlich besser werden, sollte ein Arzt oder ein anderer geeigneter Therapeut zu Rate gezogen werden!

Tipp: Frischer Kohl steht leider meist nur im Herbst und Winter zur Verfügung. Für die Anwendung im Sommer kannst Du Kohlblätter Deiner Wahl pürieren und in kleinen Portionen einfrieren. Bei Bedarf taust Du das Püree auf und streichst es auf ein Tuch. Dieses um die betroffene Stelle wickeln und wie oben beschrieben fixieren.

Literatur

[1] N. D. Spektrum. Kohl. Im Internet: https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/kohl/36571; Stand: 04.10.2022

[2] Thüler M. Wohltuende Wickel. 12. Aufl. Worb: Thüler; 2019

[3] Lauche R, Gräf N, Cramer H et al. Efficacy of Cabbage Leaf Wraps in the Treatment of Symptomatic Osteoarthritis of the Knee: A Randomized Controlled Trial. Clin J Pain 2016; 32 (11): 964–971. DOI: 10.1097/AJP.0000000000000352

[4] Hacke D. Carstens-Stiftung. Kohlwickel für das schmerzende Knie (31.03.2016). Im Internet: https://www.carstens-stiftung.de/artikel/kohlwickel-fuer-das-schmerzende-knie.html; Stand: 04.10.2022

[5] Boi B, Koh S, Gail D. The effectiveness of cabbage leaf application (treatment) on pain and hardness in breast engorgement and its effect on the duration of breastfeeding. JBI Libr Syst Rev 2012; 10(20): 1185–1213. DOI: 10.11124/01938924-201210200-00001

[6] Sonn A, Baumgärtner U, Merk B, Hrsg. Wickel und Auflagen. 4. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2014

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

Teilen

Das könnte Dir auch gefallen