Historisches

Benedikt von Nursia (ca. 480–547 n. Chr.): Regula benedicti (um 540 n. Chr.)

22. Dezember 2023
Historische Bücher

Papyrus Ebers, Lorscher Arzneibuch, New Kreuterbuch? Bekannt! Hippokrates von Kos, Dioskurides, Walahfrid Strabo? Natürlich auch! Was aber wissen Sie über diese Werke oder ihre Verfasser denn tatsächlich? Kurze und übersichtliche Zusammenfassungen lesen Sie hier. Immer freitags! Denn wir haben da mal was zusammengestellt …

Iris Eisenmann-Tappe

Benedikt wurde um 480 n. Chr. in Nursia in Umbrien geboren. Die wohlhabenden Eltern schickten ihn zum Studium nach Rom, um ihn auf eine Beamtenlaufbahn im römischen Staatsdienst vorzubereiten. Er verließ jedoch die Stadt auf der Suche nach Ruhe und spirituellen Erfahrungen. In einer Höhle bei Subiaco soll er um das Jahr 500 herum drei Jahre lang als Einsiedler gelebt haben. Wie der Biograph Benedikts, Papst Gregor der Große, in seinem zweiten Buch der Dialoge berichtet, beeindruckte sein streng asketischer Lebensstil viele verstreut in dieser Gegend lebende Mönche, die ihm daraufhin Gefolgschaft leisteten. In den kommenden Jahrzehnten lebte Benedikt in verschiedenen Mönchsgemeinschaften und gründete dreizehn Klöster, bevor er 529 auf dem Monte Cassino bei Neapel mit einer Schar von Getreuen das Stammkloster des Benediktinerordens errichtete. Hier verfasste er um 540 n. Chr. seine Regula benedicti, die Regeln für ein frommes und friedvolles Zusammenleben in der Klostergemeinschaft. Diese fasste er als eine Familie auf, mit dem Abt als Vater und den Mönchen als Brüdern. Die reichen Erfahrungen seines zurückliegenden Lebens in verschiedenen Mönchsgemeinschaften flossen in das Werk ein, er konnte aber auch auf ältere Mönchsregeln zurückgreifen z.B. die die anonyme Regula Magistri (Regel des Meisters) aus dem frühen 6. Jahrhundert und die Regel des Heiligen Basilius des Großen.

Bis heute beeindrucken der Pragmatismus, das psychologische Einfühlungsvermögen und die Menschenkenntnis Benedikts, die aus den Formulierungen dieser Regeln sprechen. Es war ihm wichtig, dass die Mönche ihren Dienst in Freude und ohne Überforderung tun konnten, aber auch durch die ausgeglichene Abfolge von Arbeit, Lesungen und Gebet vor Müßiggang, dem „Feind der Seele“, bewahrt wurden. Auch das Murren sah Benedikt als ein Laster an, so dass er mithilfe seiner „Regula“ alles aus dem Weg zu räumen versuchte, was den Mönchen dazu Anlass geben könnte:

„Man halte sich an das Wort der Schrift: ‚Jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.‘ Damit sagen wir nicht, dass jemand wegen seines Ansehens bevorzugt werden soll, was ferne sei. Wohl aber nehme man Rücksicht auf Schwächen. Wer weniger braucht, danke Gott und sei nicht traurig.“

Regula benedicti 34, 1–7

Benedikt starb im Jahr 547 auf dem Monte Cassino. Im Jahr 580 wurde sein Kloster von den Langobarden niedergebrannt. Die Mönche, die entkommen konnten, nahmen das Manuskript der Regula benedicti mit sich nach Rom, von wo aus die Benediktiner es weiterverbreiteten.

Benedikt von Nursia wird heute in der orthodoxen, armenischen und katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Er gilt als ein Gründervater des christlichen Mönchtums und Schutzpatron Europas.

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Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

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